Außenanlagen und Entwässerung bei Häusern beurteilen: Was wirklich den Wert beeinflusst

Wenn du ein Haus kaufst oder verkaufst, schaust du meist zuerst ins Innere: Die Küche, die Bäder, die Fenster. Aber was ist mit dem Garten, dem Weg zum Haus, den Abflüssen? Diese Dinge bestimmen oft, ob ein Grundstück wirklich einen guten Preis wert ist - oder ob du später mit teuren Überraschungen rechnen musst. In Deutschland ist die Bewertung von Außenanlagen und Entwässerung gesetzlich geregelt, und wer das nicht kennt, läuft Gefahr, zu viel zu zahlen - oder zu wenig zu verlangen.

Was gehört eigentlich zu den Außenanlagen?

Es ist nicht nur der Rasen und der Blumenbeet. Nach dem Bewertungsgesetz (BewG) und der ImmoWertV zählen dazu alle fest mit dem Boden verbundenen Anlagen, die nicht zum Gebäude selbst gehören. Das sind zum Beispiel Zäune, Mauern, Treppen, Wege, Pflasterflächen, Schwimmbecken, Carports, aber auch alles, was mit Wasser zu tun hat: Regenrinnen, Abflüsse, Kanalanschlüsse, Gräben, Biotope, und sogar Regenwassernutzungsanlagen.

Ein häufiger Irrtum: Eine Garage ist ein Gebäude. Die Zufahrt davor? Das ist eine Außenanlage. Ein Carport mit festem Dach? Das kann je nach Bauart als Gebäude oder als Außenanlage gelten. Genau das macht die Bewertung so knifflig. In der Praxis sehen viele Gutachter deshalb erstmal, was wirklich fest im Boden verankert ist - und was nur draufsteht.

Wie wird der Wert berechnet?

Es gibt drei offizielle Wege, den Wert von Außenanlagen zu ermitteln: Sachwert, Vergleichswert und Ertragswert. Für die meisten Privatpersonen ist der Sachwert am wichtigsten. Hier wird nicht geschaut, was jemand anderes für ein Haus bezahlt hat, sondern: Wie viel hat es gekostet, das alles zu bauen - und wie alt ist es jetzt?

Die Formel klingt kompliziert, ist es aber nicht: Der Wert orientiert sich an den Baupreisen von 1958 - ja, du hast richtig gelesen. Aber er wird dann mit den aktuellen Preisen angepasst. Das bedeutet: Ein Ziegelweg aus den 80ern wird nicht mit den heutigen Pflasterkosten bewertet, sondern mit einem Wert, der den Zustand, das Alter und die Qualität berücksichtigt.

Als Faustregel gilt: Bei einfachen Außenanlagen - also normale Wege, einfache Zäune - sind 2 bis 4 % des Gebäudesachwerts realistisch. Bei gehobener Ausstattung - Steinplatten, Mauerwerk, Schwimmbecken, moderne Entwässerung - kann es bis zu 8 % sein. Viele Immobilienkäufer unterschätzen das. Ein Haus mit 300.000 € Gebäudewert und einfachen Außenanlagen hat also nur etwa 6.000 bis 12.000 € Wert in der Umgebung. Ein Haus mit gleichem Preis, aber mit Natursteinplätzen, einem begrünten Dach und einem funktionierenden Regenwasserspeicher? Da kann die Außenanlage schon 20.000 € oder mehr ausmachen.

Entwässerung: Der unsichtbare Kostenfaktor

Die Entwässerung ist das, was du nie siehst - bis sie kaputt ist. Ein verstopfter Regenablauf? Ein Riss im Kanal? Ein Wurzelangriff in der Abwasserleitung? Das sind keine Kleinigkeiten. Laut einer Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) von 2022 führen defekte Entwässerungsanlagen in bis zu 60 % der Fälle zu Schäden am Fundament oder an den Außenwänden.

Die DIN 1986-100 sagt, wie Entwässerungssysteme gebaut werden müssen. Aber in der Praxis sind viele Anlagen älter als 30 Jahre - und wurden nie geprüft. Ein Gutachter schaut bei der Besichtigung genau auf:

  • Ob das Regenwasser richtig vom Dach abläuft - oder in den Garten fließt
  • Ob die Abwasserleitungen noch dicht sind - oder durch Wurzeln durchlöchert sind
  • Ob der Anschluss an das öffentliche Kanalnetz funktioniert - oder die Kommune noch Ansprüche geltend machen könnte
  • Ob es ein dezentrales System gibt - wie einen Regenwasserspeicher oder eine Biotopeinrichtung

Ein funktionierendes, modernes Entwässerungssystem kann den Wert eines Grundstücks um bis zu 5 % steigern. Ein defektes? Es kann den Wert um 15 % oder mehr drücken. Besonders in Regionen wie Kassel, wo Starkregen immer häufiger wird, ist das kein Randthema mehr.

Schnittansicht einer funktionierenden und defekten Entwässerungsanlage mit Rohren und Wurzeln.

Was macht den Unterschied zwischen gut und schlecht?

Es ist nicht nur, ob etwas funktioniert - sondern wie es funktioniert. Ein einfacher Betonweg ist billiger zu bauen, aber auch schneller abgenutzt. Ein Natursteinweg hält länger, sieht besser aus - und wird auch im Wert höher angesetzt. Genauso mit der Entwässerung:

Vergleich von Außenanlagen-Typen und deren Wertimpact
Typ Durchschnittlicher Wert (€/m²) Lebensdauer Wertsteigerung durch Pflege
Holz- oder Drahtzaun 10-20 10-15 Jahre Gering (5-10 %)
Plattenweg, Naturstein 20-50 30-50 Jahre Hoch (15-25 %)
Einfache Regenrinne 15-25 15-20 Jahre Mittel (10-15 %)
Dezentrale Entwässerung (Regenwassernutzung) 25-60 30-40 Jahre Sehr hoch (20-30 %)
Schwimmbecken (Beton) 10-20 20-30 Jahre Mittel (10-20 %)

Die Tabelle zeigt: Es lohnt sich, in Qualität zu investieren - nicht nur fürs Aussehen, sondern für den Wert. Ein Haus mit einem einfachen Betonweg und einer alten Regenrinne wirkt billig. Ein Haus mit einem Natursteinweg, einer modernen Entwässerung und einem begrünten Dach wirkt wertvoll - und wird auch so bewertet.

Was du bei einer Besichtigung checken solltest

Wenn du ein Haus besichtigst, musst du nicht nur schauen, sondern auch Fragen stellen. Hier sind die wichtigsten Punkte:

  1. Wasserablauf: Schau dir an, wo das Regenwasser vom Dach abläuft. Läuft es in einen Graben? In eine Rinne? Oder einfach auf den Rasen? Wenn es auf den Rasen läuft, ist das ein Risiko - besonders im Winter.
  2. Abwasseranschluss: Frag nach dem Anschluss an das öffentliche Netz. Ist er dokumentiert? Gibt es einen Prüfbericht? Oder könnte die Kommune später eine Nachrüstung verlangen?
  3. Zäune und Mauern: Sind sie stabil? Hat der Zaun Risse? Ist die Mauer aus Stein oder Beton? Ein altes Holztor ist kein Problem - aber ein abgebrochener Steinabschnitt kann tausende kosten.
  4. Grundstücksform: Ein Grundstück mit Blick auf einen Wald oder einen Bach kann bis zu 30 % mehr wert sein. Ein Grundstück in einer Feldlage? Da zahlt man oft 20-50 % weniger.
  5. Regenwassernutzung: Gibt es einen Tankspeicher? Wird das Wasser für die Toilette oder die Waschmaschine genutzt? Das ist heute ein echter Mehrwert - und wird in der Bewertung zunehmend berücksichtigt.

Ein Gutachter, der nur den Keller anschaut, sieht das große Bild nicht. Ein Käufer, der nur die Küche bewertet, zahlt zu viel - oder verliert später Geld.

Immobilien-Sachverständiger prüft eine Regenwasser-Entwässerungsanlage im Garten.

Was kommt in Zukunft?

Die Regeln ändern sich. Ab 2026 wird die ImmoWertV voraussichtlich strengere Anforderungen an Entwässerungssysteme stellen. Besonders in Regionen mit Starkregen-Risiko - wie Kassel, Fulda oder Marburg - wird es nicht mehr reichen, einfach nur eine Leitung zu verlegen. Es muss funktionieren - und es muss nachhaltig sein.

Die Initiative "Digitale Bewertung" des Deutschen Gutachterausschusses plant bis 2025, digitale Karten und Sensoren zu nutzen, um Entwässerungsanlagen zu prüfen. Das bedeutet: In Zukunft wird man nicht mehr nur sagen können, "die Leitung ist alt". Man wird genau wissen, wo sie undicht ist - und wie groß der Schaden ist.

Die Zukunft gehört nicht mehr dem billigsten System, sondern dem intelligentesten. Ein Haus mit einer naturnahen Entwässerung, einem Regenwasserspeicher und einem begrünten Dach wird nicht nur schöner - es wird auch wertvoller. Und das, obwohl es vielleicht teurer war, es zu bauen.

Was du jetzt tun kannst

Wenn du ein Haus kaufst: Lass die Außenanlagen und die Entwässerung von einem Sachverständigen prüfen. Nicht nur vom Makler. Ein Gutachter kostet 300-600 € - aber er kann dir 10.000 € oder mehr ersparen.

Wenn du verkaufst: Mache die Entwässerung sauber. Reinige die Rinnen. Prüfe die Leitungen. Zeige den Käufern, dass du gepflegt hast. Ein paar Stunden Arbeit können den Verkaufspreis um 5-10 % steigern.

Und wenn du planst: Baue nicht nur für heute. Baue für morgen. Denn in 10 Jahren wird kein Mensch mehr fragen, ob du einen Steinweg hattest. Er wird fragen: Hat das Haus den Starkregen überstanden? Und warum hat es das geschafft?

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