Schwellenlose Übergänge: Türen, Balkon, Terrasse - Barrierefreiheit im Alltag

Stell dir vor, du gehst morgens von deiner Wohnung auf die Terrasse - ohne an irgendetwas zu stolpern. Keine Schwelle, kein Höhenunterschied, kein mühsames Heben des Rollstuhls oder der Gehhilfe. Das ist nicht Zukunftsmusik, das ist heute möglich. Und es ist längst kein Luxus mehr, sondern eine klare Norm: schwellenlose Übergänge zwischen Innen- und Außenbereichen sind der neue Standard für barrierefreies Bauen.

Warum eine Schwelle eigentlich nichts mehr verloren hat

Früher galten Türschwellen als notwendig: Sie sollten Wasser abhalten, den Schall dämpfen, den Brandschutz sichern. Doch die Zeit hat diese Begründungen überholt. Die deutsche Norm DIN 18040-2, die seit 2023 gültig ist, sagt klar: Barrierefreiheit bedeutet null Zentimeter Schwelle. Das gilt für Wohnungseingänge, Balkontüren und Terrassentüren gleichermaßen. Die alte Ausnahme, die bis 2013 für Schwellen bis zu 2 cm erlaubt war, wurde offiziell gestrichen. Der Arbeitsausschuss für barrierefreies Bauen im Deutschen Institut für Normung hat das damals ausdrücklich bestätigt: Nur eine vollständig niveaugleiche Lösung ist wirklich barrierefrei.

Das ist kein kleiner Unterschied. Für jemanden mit einem Rollstuhl, einer Gehhilfe oder einem Kinderwagen ist eine Schwelle von nur 1,5 cm ein Hindernis - kein kleiner Sprung, sondern ein Stolperfall. Für ältere Menschen ist sie ein Risiko. Und für Familien? Ein ständiger Grund zur Vorsicht. Schwellenlose Übergänge beseitigen das nicht nur, sie machen den Alltag einfacher - für alle.

Wie funktioniert eine schwellenlose Tür wirklich?

Eine schwellenlose Tür sieht aus wie eine normale Tür. Aber dahinter steckt Technik, die viele nicht kennen. Der Schlüssel liegt in der Abdichtung. Traditionelle Türen nutzen Gummidichtungen, die bei einer Schwelle einfach über sie drübergehen. Bei einer schwellenlosen Tür muss das anders laufen - denn es gibt keinen Höhenunterschied, den das Wasser umgehen könnte.

Die erfolgreichste Lösung ist die Magnet-Doppeldichtung. Sie besteht aus einem starken Dauermagneten an der Türunterseite und zwei weiteren Magneten in der Bodenschiene. Beim Schließen der Tür heben sich die Magnete leicht an, drücken die Dichtung fest gegen den Boden und bilden eine wasserdichte Barriere. Beim Öffnen sinken sie wieder ab - und schon ist der Boden eben. Keine Schwelle, kein Hindernis.

Diese Technik ist nicht neu: ALUMAT hat sie vor über 20 Jahren entwickelt. Heute ist sie die einzige Lösung, die die höchste Schlagregendichtheitsklasse 9A nach DIN EN 12208 erreicht. Das bedeutet: Selbst bei Starkregen mit 90 Litern pro Quadratmeter und Stunde bleibt das Wasser draußen. Traditionelle Türen schaffen oft nur Klasse 4 bis 6 - und das bei einer Schwelle. Ohne Schwelle braucht man noch bessere Abdichtung. Und die gibt es nur mit Magneten.

Entwässerung ist das entscheidende Detail

Eine schwellenlose Tür ist nur so gut wie ihre Entwässerung. Denn wenn kein Höhenunterschied mehr existiert, kann das Wasser nicht einfach ablaufen - es muss gezielt abgeführt werden. Hier kommt die DIN 18531 ins Spiel: Sie verlangt ein Mindestgefälle von 2 Prozent vom Innenraum zur Terrasse. Das ist nicht viel - etwa 2 cm Höhenunterschied pro Meter - aber es muss genau eingehalten werden.

Dazu braucht man eine Entwässerungsrinne direkt unter der Tür. Die muss so gebaut sein, dass sie Wasser aufnimmt, leitet und in eine Drainage oder ein Regenwassersystem weiterleitet. Bei vielen Nachrüstungen scheitert das - weil die Bodenplatte nicht neu verlegt werden kann oder die Abdichtung nicht angepasst wurde. Gutjahr.com berichtet von Fällen, in denen nach zwei Jahren Wasser eindrang, weil die Entwässerung nicht richtig angeschlossen war.

Das ist kein technisches Problem, sondern ein Planungsproblem. Wer eine schwellenlose Tür einbauen will, muss die Entwässerung von Anfang an mit einplanen. Das bedeutet: Architekt, Türenhersteller, Abdichtungsspezialist und Dachdecker müssen sich abstimmen. Die Deutsche Bauzeitschrift (DBZ) sagt es klar: Ohne vorausschauende Koordination scheitern 35 % der Projekte bei nicht spezialisierten Handwerkern.

Technische Schnittansicht einer magnetischen Doppeldichtung für schwellenlose Türen mit Drainage und 2% Gefälle.

Was kostet eine schwellenlose Tür?

Ja, sie ist teurer. Keine Frage. Eine schwellenlose Tür mit Magnet-Doppeldichtung kostet zwischen 30 und 40 % mehr als eine normale Tür mit Schwelle. Bei einem Neubau bedeutet das oft 1.500 bis 2.500 Euro mehr pro Tür. Das klingt viel - aber es ist eine Investition, die sich lohnt.

Warum? Weil sie langfristig mehr Sicherheit, mehr Komfort und mehr Wert bringt. Eine Wohnung mit schwellenlosem Übergang ist nicht nur barrierefrei - sie ist auch attraktiver für ältere Menschen, Familien und Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Und das ist kein Nischenmarkt mehr. Laut dem ifo Institut wuchs der Markt für barrierefreie Baukomponenten 2023 um 8,7 % auf 2,3 Milliarden Euro. Der Anteil schwellenloser Lösungen stieg von 7 % im Jahr 2020 auf 12 % im Jahr 2023. Bis 2027 soll er bei 20 % liegen.

Und die Kosten sinken langsam. Systemanbieter wie ALUMAT oder OKnoplast bieten mittlerweile standardisierte Lösungen an, die Planung und Installation vereinfachen. Die Bayerische Architektenkammer sagt: Obwohl diese Systeme 15-20 % teurer sind, sparen sie Zeit und Geld bei der Koordination - und vermeiden teure Nacharbeiten.

Was sagen Nutzer wirklich?

Auf dem Forum barrierefrei-wohnen.de berichtet ein Nutzer namens „RollstuhlPeter“: „Seit drei Jahren keine Probleme. Kein Wasser, auch bei Starkregen.“ Ein anderer Nutzer auf hausforum.de hingegen schreibt: „Nach zwei Jahren war es undicht. Musste nachrüsten - 800 Euro Kosten.“

Die Bewertungen auf Trustpilot liegen bei 3,8 von 5 Sternen - nicht perfekt, aber besser als viele denken. Die Hauptgründe für Zufriedenheit: Die Barrierefreiheit (78 % der positiven Bewertungen) und das moderne Aussehen (65 %). Die Hauptkritik? Die Kosten (82 % der negativen Bewertungen) und die Wartung (47 %).

Die Wartung ist einfach: Vierteljährlich die Magnete prüfen, ob sie noch richtig halten, und die Entwässerungsrinne von Blättern und Schmutz befreien. Das dauert fünf Minuten. Die Lebensdauer der Systeme liegt bei 15-20 Jahren - etwas kürzer als bei traditionellen Türen mit Schwelle (25+ Jahre), aber bei weitem länger als die meisten Menschen denken.

Familie mit Rollstuhl und Kinderwagen nutzt einen schwellenlosen Übergang von Innen nach Außen bei sonnigem Wetter.

Wann ist eine schwellenlose Tür nicht die richtige Wahl?

Sie ist nicht immer die beste Lösung. Bei starken Hanglagen, wo das Wasser von oben herunterläuft, oder in Regionen mit extremen Niederschlägen - wie im Rheinland nach dem Hochwasser 2021 - braucht man spezielle Lösungen. Hier kann eine barrierearme Schwelle von 2-15 mm sinnvoller sein. Sie reduziert das Stolperrisiko, aber ermöglicht eine einfachere Entwässerung.

Prof. Dr. Markus Hengst von der TU München sagt es klar: „Schwellenlos ist nicht immer besser. Es ist besser, wenn es passt.“ Die Zukunft liegt in hybriden Lösungen: je nach Lage, Klima und Nutzung. In einer Wohnung mit Balkon in der Stadt? Schwellenlos. In einem Haus mit Terrasse am Hang? Vielleicht eine 10-mm-Schwelle mit integrierter Drainage.

Was kommt als Nächstes?

Die DIN 18040 wird 2025 neu gefasst - und wird schwellenlose Lösungen noch stärker bevorzugen. Die Flachdachrichtlinien werden aktualisiert, um die Abdichtung besser zu regeln. Und ALUMAT arbeitet bereits an der zweiten Generation der Magnet-Doppeldichtung: mit selbstreinigenden Oberflächen, die Schmutz und Laub abweisen - und im dritten Quartal 2024 auf den Markt kommt.

Die Zahlen sprechen für sich: 2020 wurden noch 65 % der Neubauten mit traditionellen Schwellen gebaut. 2023 waren es nur noch 42 %. Bis 2027 soll es unter 25 % sein. Das ist kein Trend - das ist ein Wandel. Und er kommt nicht nur aus gesetzlichen Vorgaben, sondern aus der Realität: Menschen wollen einfach, sicher und barrierefrei leben.

Wenn du gerade baust, renovierst oder planst: Denk nicht daran, ob du eine Schwelle brauchst. Frag dich: Warum sollte es eine geben?

Ist eine schwellenlose Tür auch für alte Häuser möglich?

Ja, aber es ist komplexer. Bei Nachrüstungen muss der Boden in der Türöffnung oft neu verlegt werden, um das nötige Gefälle von 2 % zu erreichen. Die Abdichtung muss komplett überarbeitet werden. Das ist teurer und aufwendiger als beim Neubau. In vielen Fällen ist eine barrierearme Lösung mit 2-15 mm Schwelle realistischer. Ein Sachverständiger sollte vorher prüfen, ob eine vollständig schwellenlose Lösung technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.

Kann ich eine schwellenlose Tür selbst einbauen?

Nein. Die Installation erfordert spezielle Kenntnisse in Abdichtung, Entwässerung und Magnettechnik. Selbst kleine Fehler - eine falsch montierte Dichtung, eine ungenaue Gefälleanpassung - führen zu Wasserschäden. Die Studie der TU Dresden zeigt: Bei nicht spezialisierten Handwerkern liegt die Fehlerquote bei 35 %. Das ist zu riskant. Lasse dich von einem zertifizierten Fachbetrieb beraten und einbauen.

Welche Materialien sind für schwellenlose Übergänge am besten?

Aluminium ist das am häufigsten verwendete Material für die Türprofile - es ist korrosionsbeständig und stabil. Für den Bodenbereich eignen sich wetterfeste Fliesen, Beton oder spezielle Terrassenplatten mit Rutschschutz. Wichtig ist: Alle Materialien müssen mit der Abdichtung kompatibel sein. Holz ist in direktem Außenbereich nicht empfehlenswert, da es sich bei Feuchtigkeit verzieht und die Dichtung beeinträchtigt.

Gibt es Förderungen für schwellenlose Übergänge?

Ja, in vielen Fällen. Wenn du barrierefreie Maßnahmen in deinem Zuhause umsetzt - etwa für einen älteren Familienmitglied oder wegen einer Behinderung - kannst du Fördermittel vom KfW oder von der Pflegekasse beantragen. Die Förderung betrifft oft die gesamte barrierefreie Umbaumaßnahme, nicht nur die Tür. Frag bei deinem Architekten oder einer Beratungsstelle nach, welche Möglichkeiten für deine Situation bestehen.

Wie lange hält eine Magnet-Doppeldichtung?

Die Magnete selbst halten bis zu 20 Jahre, wenn sie nicht mechanisch beschädigt werden. Die Dichtung aus EPDM-Gummi hat eine Lebensdauer von 15-20 Jahren. Regelmäßige Reinigung der Dichtfläche und Kontrolle der Magnete verlängern die Haltbarkeit. Bei guter Wartung ist eine 15-jährige Nutzung normal. Die meisten Hersteller geben eine Garantie von 5-10 Jahren auf die Dichtung, abhängig vom System.

Kommentare

Vera Ferrao

Vera Ferrao

Also ich find's voll nice, dass jetzt alles schwellenlos sein muss... aber wer zahlt das? Ich wohne in einer Altbauwohnung, und die Bodenplatte ist aus den 70ern - da ist eine Schwelle nicht das Problem, sondern die 12cm Betonwand drumherum. 🤷‍♀️

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