Wenn du heute ein neues Zuhause planst, stehst du vor einer einfachen, aber entscheidenden Frage: Soll es Beton sein, Stahl - oder Holz? In Deutschland wächst der Holzbau nicht nur, er verändert die Art, wie wir Wohnen. Kein Wunder: Holz bindet CO₂, baut sich schneller auf und wärmt besser als fast jeder andere Baustoff. Doch was ist mit dem Feuer? Und wie sicher ist ein Haus aus Holz wirklich? Die Antwort ist überraschend klar: Moderner Holzbau ist nicht nur ökologisch, er ist auch brandschutztechnisch durchdacht - vorausgesetzt, du weißt, wie.
Warum Holz der nachhaltigste Baustoff ist
Ein Kubikmeter Holz bindet durchschnittlich eine Tonne CO₂. Das ist kein theoretisches Konzept, das ist echte Klimabilanz. Während Beton beim Herstellen mehr CO₂ ausstößt, als er je binden kann, speichert Holz Kohlenstoff - und das für Jahrzehnte. In einem Holzhaus bleibt dieser Kohlenstoff eingelagert, solange das Gebäude steht. Und wenn es einmal abgerissen wird, kann das Holz recycelt oder als Energiequelle genutzt werden - ohne neue fossile Ressourcen zu verbrauchen.
Die Zahlen sprechen für sich: Im Jahr 2018 lag der Anteil des Holzbaus im deutschen Wohnungsneubau bei 8,2 %. 2022 war es schon 12,5 %. Bis 2025 wird er auf 18 bis 20 % steigen. Warum? Weil Bauherren immer häufiger nachhaltig bauen wollen. Laut einer Umfrage des Instituts für nachhaltiges Bauen nennen 78 % der Bauherren Umweltverträglichkeit als wichtigsten Grund. Und es gibt auch klare gesetzliche Anreize: Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt seit 2020 strengere CO₂-Bilanzen vor. Holz ist der einzige Baustoff, der dabei nicht nur hilft - er macht sogar Sinn.
Wie Holz brennt - und warum das ein Vorteil ist
Das größte Vorurteil? Holz brennt schnell. Doch das stimmt nur halb. Holz brennt nicht wie Papier. Es verkohlt. Und diese Kohleschicht ist der Geheimtrick. Sie isoliert das darunterliegende Holz. Während Beton bei hohen Temperaturen platzt und Stahl weich wird, schützt sich Holz selbst. Die Deutsche Gesellschaft für Holzforschung hat gemessen: Moderne Holzkonstruktionen verbrennen mit einer vorhersagbaren Geschwindigkeit von 0,7 mm pro Minute. Das bedeutet: In 30 Minuten hat sich eine 21 mm dicke Kohleschicht gebildet. Genug, um die Tragfähigkeit zu erhalten.
Das ist kein Zufall. Es ist Konstruktion. In modernen Holzhauses werden tragende Elemente wie Brettsperrholz (BSP) so dimensioniert, dass auch nach der Verbrennung noch genug Holz übrig bleibt, um das Gebäude zu tragen. Ein Holzbalken von 16 cm Dicke hat nach 60 Minuten Brand noch über 10 cm unversehrtes Holz - genug, um eine ganze Etage zu halten. Das ist kein Märchen. Das ist DIN EN 1995-1-2, der Eurocode 5. Er legt fest, wie Holz für Feuerwiderstandsklassen wie REI 30, REI 60 oder REI 90 berechnet wird.
Brandschutz in der Praxis: Was wirklich zählt
Ein Holzhaus ist nicht einfach nur Holz. Es ist Holz + Schutz. Die Muster-Holzbau-Richtlinie (MHolzBauRL), die 2020 aktualisiert wurde, regelt genau, wie das funktioniert. Sie sagt: Bei Außenwänden, Treppenhäusern oder Fluren brauchst du nicht brennbare Schutzschichten. Gipsfaserplatten, Gipskarton-Feuerschutzplatten (GKF) oder spezielle Holzwerkstoffe mit mineralischer Beschichtung sind Standard. Sie halten Feuer und Rauch ab - ohne dass du eine doppelte Wand brauchst.
Und was mit Kabeln, Rohren und Lüftungen? Auch das ist kein Problem mehr. Systeme von Herstellern wie Hilti ermöglichen es, Öffnungen in Holzkonstruktionen so abzudichten, dass Feuer und Rauch 90 Minuten lang nicht durchdringen - ohne Gipsfaserplatten, die man später verkleben muss. Das spart Zeit, Geld und baut sauberer.
Ein Beispiel: Das achtstöckige Wohnhaus an der Bugginerstraße in Freiburg. Es ist das erste Gebäude in Deutschland, das komplett aus Holz besteht - ab dem ersten Obergeschoss. Und es hat die höchste Brandschutzklasse. Wie? Durch präzise Planung, geprüfte Systeme und die richtige Materialkombination. Es ist kein Ausnahmefall. Es ist der neue Standard.
Die Vorteile, die du nicht siehst - aber spürst
Was du außer dem Brandschutz noch bekommst? Komfort. Holz hat einen Wärmeleitkoeffizienten von nur 0,13 W/mK. Beton? 2,1 W/mK. Das bedeutet: Ein Holzwand ist fast 20 Mal besser isoliert als eine Betonwand. Du brauchst weniger Heizung, deine Räume fühlen sich wohler an, und die Heizkosten sinken - oft um 20 bis 30 %. Und das ohne zusätzliche Dämmung.
Dann kommt die Bauzeit. Weil Holzbauteile im Werk vorgefertigt werden, brauchst du auf der Baustelle nur noch zusammenzusetzen. Kein Betonieren, kein Abhärten, kein Warten. Die Bauzeit wird um 30 bis 50 % kürzer. In Hamburg, bei der Wohnanlage „Wald und Stadt“ mit 128 Wohnungen, hat man das erlebt: Die Bauzeit sank um 40 %. Das ist nicht nur praktisch - es reduziert Lärm, Staub und Kosten.
Was du beachten musst - und wo die Risiken liegen
Nichts ist perfekt. Holz ist empfindlich gegen Feuchtigkeit. Wenn Wasser in die Konstruktion eindringt - etwa durch undichte Dachrinnen, fehlerhafte Anschlüsse oder unzureichende Luftdichtheit - kann es schimmeln, faulen oder sich verformen. Eine Studie des Instituts für Holzforschung München aus 2022 fand bei 12 von 100 untersuchten Holzgebäuden Schäden durch Feuchtigkeit. Das ist kein Grund, auf Holz zu verzichten. Das ist ein Grund, besser zu planen.
Ein weiteres Problem: Die Genehmigungsbehörden. In einigen Bundesländern sind die Sachverständigen noch nicht ausreichend geschult. Der Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg, Michael Nentwig, sagt: „Nur 35 von 163 Bezirksregierungen haben genug Experten für komplexe Holzbauprojekte.“ Das bedeutet: Du brauchst einen Planer, der Erfahrung hat. Sonst dauert die Genehmigung länger - oder wird abgelehnt.
Und dann gibt es noch Hybridkonstruktionen. Wenn du ein altes Betongebäude aufstocken willst, ist das nicht einfach. Der Brandschutz muss zwischen altem und neuem Material passen. Der Brandschutzexperte Dr. Markus Müller warnt: „Viele Hybridlösungen sind nicht ausreichend geprüft.“ Das ist kein generelles Problem - aber ein Warnhinweis: Nicht alles, was aus Holz und Beton besteht, ist automatisch sicher.
Wer baut heute? Und was kostet es?
Die großen Akteure im Holzbau sind KLH Massivholz, Binderholz und Mayr-Melnhof Holz. Sie liefern 65 % des Brettsperrholzes in Deutschland. Sie bauen nicht nur, sie entwickeln auch: neue Verbindungen, neue Brandschutzsysteme, neue Dämmtechniken.
Was kostet ein Holzhaus? Es ist nicht günstiger als Beton - aber es ist anders. Die Planungskosten sind oft 15 bis 20 % höher, weil du Spezialisten brauchst. Die Bauzeit ist kürzer, die Logistik einfacher. Die Betriebskosten sinken. Langfristig lohnt es sich. Und es gibt Förderungen: Die KfW fördert Holzbau-Projekte mit bis zu 120 Millionen Euro aus EU-Mitteln bis 2027. Die Bundesregierung hat zudem beschlossen: Bis 2030 sollen mindestens 30 % aller öffentlichen Gebäude in Holzbauweise entstehen. Das ist ein klares Signal.
Was kommt als Nächstes?
Die Forschung geht weiter. In Bayern arbeitet das „Holzcluster Bayern“ an neuen Holzverbundwerkstoffen mit integriertem Brandschutz. Diese Materialien sollen noch stabiler, noch sicherer und noch nachhaltiger sein. Die Europäische Union unterstützt diese Entwicklung - weil sie weiß: Der Baubereich erzeugt 37 % der globalen CO₂-Emissionen. Holz ist eine der wenigen Lösungen, die wirklich etwas verändern.
Und du? Wenn du jetzt ein Haus baust, hast du die Wahl. Du kannst Beton nehmen. Oder du kannst etwas wählen, das nicht nur dein Zuhause baut - sondern auch die Zukunft.
Ist ein Holzhaus wirklich sicher bei Brand?
Ja, wenn es richtig geplant ist. Moderne Holzkonstruktionen verbrennen langsam und vorhersagbar. Eine verkohlte Schicht schützt das darunterliegende Holz. Systeme mit Gipsfaserplatten oder speziellen Brandschutzdichtungen halten Feuer und Rauch bis zu 90 Minuten zurück - das entspricht den Anforderungen für Wohnhäuser. Die Brandschutzklasse REI 60 oder REI 90 ist heute Standard bei Mehrfamilienhäusern.
Kann man Holz in Mehrfamilienhäusern über 4 Geschossen verwenden?
Absolut. Seit der Überarbeitung der Muster-Holzbau-Richtlinie (MHolzBauRL) 2020 ist das möglich. Beispiele wie das achtstöckige Wohnhaus in Freiburg zeigen, dass es technisch machbar ist. Wichtig ist: Die gesamte Konstruktion muss geprüft und genehmigt werden. Das erfordert spezialisierte Planer und klare Brandschutzkonzepte - aber es ist kein Hindernis mehr.
Warum ist Holz besser isoliert als Beton?
Holz hat einen Wärmeleitkoeffizienten von 0,13 W/mK, Beton von 2,1 W/mK. Das bedeutet: Holz leitet Wärme 20 Mal langsamer. Ein Holzwand hält die Wärme im Haus - du brauchst weniger Heizung, deine Räume bleiben angenehm warm, und die Energiekosten sinken. Das ist kein Marketing-Gag - das ist Physik.
Macht Holzbau wirklich einen Unterschied für das Klima?
Ja. Ein Kubikmeter Holz bindet durchschnittlich eine Tonne CO₂ - und das über die gesamte Lebensdauer des Gebäudes. Ein Betongebäude dagegen setzt beim Bau mehr CO₂ frei, als es später einsparen kann. Holz ist der einzige Baustoff, der aktiv zum Klimaschutz beiträgt - nicht nur durch geringeren Energieverbrauch, sondern durch echte Kohlenstoffspeicherung.
Welche Nachteile hat Holzbau?
Die größte Gefahr ist Feuchtigkeit. Wenn Wasser eindringt, kann Holz faulen oder schimmeln. Das passiert aber nur bei schlechter Planung. Außerdem brauchst du spezialisierte Planer und oft längere Genehmigungsverfahren - besonders in Regionen mit wenig Erfahrung. Die Anfangskosten sind höher als bei Beton, aber die Betriebskosten und die Bauzeit sind niedriger.
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