Gesamtfassadenkosten: So planen Sie Ihr Budget für Fassadensanierung realistisch

Wenn Sie Ihre Fassade sanieren wollen, ist die erste Frage nicht, welches Material schön aussieht - sondern: Wie viel kostet das wirklich? Viele Hausbesitzer starten mit einem Traum und enden mit einer Überraschungsrechnung, die das Budget sprengt. Dabei lässt sich eine Fassadensanierung mit der richtigen Planung genau kalkulieren. Es geht nicht um Schätzwerte oder Hoffnungen - es geht um Zahlen, die stimmen.

Was gehört wirklich zu den Gesamtfassadenkosten?

  • Materialkosten (Dämmung, Putz, Farbe, Fugendichtungen)
  • Arbeitskosten (Handwerker, Fachpersonal, Bauleitung)
  • Abbau- und Entsorgungskosten (alte Putzschichten, Schadstoffe, Trümmer)
  • Zusatzarbeiten (Beseitigung von Feuchtigkeitsschäden, Holzwürmer, Risse im Mauerwerk)
  • Genehmigungs- und Prüfkosten (Bauantrag, Energieberater, statische Prüfung)

Ein Beispiel: Sie haben ein Einfamilienhaus mit 180 m² Fassadenfläche. Sie planen ein Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS). Die Materialkosten liegen bei etwa 90 €/m², die Arbeitskosten bei 75 €/m². Das ergibt 165 €/m² x 180 m² = 29.700 €. Klingt überschaubar? Falsch. Jetzt kommen die versteckten Kosten.

Im Schnitt entstehen bei 7 von 10 Sanierungen unvorhergesehene Schäden: Feuchtigkeit hinter dem Putz, verfaulte Holzkonstruktionen, Asbest in alten Dämmplatten. Diese Arbeiten kosten im Durchschnitt 12 % der Gesamtkosten zusätzlich - also rund 3.500 € mehr. Wer das nicht einkalkuliert, gerät schnell in finanzielle Schwierigkeiten.

Welche Fassadenarten kosten was?

Nicht jede Sanierung ist gleich teuer. Die Wahl des Systems bestimmt den Großteil der Kosten. Hier die aktuell gängigen Varianten mit realistischen Preisen für 2026:

Vergleich der Fassadensanierungsvarianten (Preise pro m², inkl. Arbeitskosten)
Sanierungsvariante Kosten pro m² Lebensdauer Wärmedämmung Typische Einsatzgebiete
Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS) 85-120 € 30-40 Jahre hoch Einfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser
Vollwärmeschutz mit mineralischem Putz 110-160 € 40-50 Jahre sehr hoch Denkmalschutzobjekte, Altbauten
Klinkerfassade (neu verlegt) 140-200 € 60+ Jahre mittel Neubauten, Luxusrenovierungen
Holzfassade (Holzwerkstoffe) 130-180 € 25-35 Jahre mittel Modernes Design, Ferienhäuser
Renovierung mit Silikatfarbe (nur Oberfläche) 40-60 € 8-12 Jahre keine Leichte Optikverbesserung, temporäre Lösung

Die meisten Hausbesitzer in Deutschland entscheiden sich für WDVS - und das aus gutem Grund. Es ist die kosteneffizienteste Lösung, die gleichzeitig die Energieeffizienz verbessert. Wer ein Haus aus den 1970er Jahren hat, spart mit WDVS bis zu 40 % Heizkosten. Das lohnt sich langfristig.

Woher kommen die größten Kostenfallen?

Die größten Überraschungen kommen nicht von den Materialien - sondern von den Dingen, die niemand vorher sieht.

Im Herbst 2024 hat das Institut für Fassadentechnik (ift Rosenheim) eine Studie mit 1.200 Sanierungsprojekten aus ganz Deutschland ausgewertet. Das Ergebnis: In 68 % der Fälle wurden Schäden entdeckt, die vorher nicht auf dem Plan standen. Die häufigsten Probleme:

  • Feuchtigkeitsschäden hinter Putz (42 % der Fälle)
  • Verrottete Holzkonstruktionen an Fensterlaibungen (28 %)
  • Asbest in alten Dämmplatten (15 %, vor allem in Häusern vor 1990)
  • Undichte Anschlüsse an Dachrinnen oder Balkonen (33 %)

Ein Beispiel aus Kassel: Ein Hausbesitzer wollte seine Fassade mit WDVS sanieren. Der Bauunternehmer fand hinter dem alten Putz einen komplett vermoderten Holzrahmen um die Balkontür. Die Reparatur kostete 4.800 € - mehr als die gesamte Dämmung ursprünglich kosten sollte. Ohne Puffer im Budget wäre die Sanierung gestoppt worden.

Darum: Rechnen Sie immer mit einem Mindestpuffer von 10-15 % der geplanten Kosten. Das ist kein Luxus - das ist Standard. Wer das nicht tut, riskiert, dass die Arbeiten nicht fertig werden oder die Bank das Darlehen kündigt.

Querschnitt einer Fassade mit dargestellten Kostenfaktoren wie Dämmung, Entsorgung und Genehmigungen.

Wie viel Förderung gibt es wirklich?

Ja, es gibt Förderung - aber nicht so viel, wie viele glauben. Die KfW-Förderung (Programm 430) zahlt bis zu 20 % der Investitionskosten, aber nur wenn die Sanierung den aktuellen EnEV-Stand erreicht. Das bedeutet: Sie brauchen eine Dämmung mit U-Wert von 0,20 W/(m²K) oder besser. Ein einfaches WDVS reicht oft nicht - Sie brauchen mindestens 14 cm Dämmung, oft sogar 16-18 cm.

Ein Haus mit 180 m² Fassade, das mit 16 cm Dämmung saniert wird, kostet etwa 32.000 €. Die KfW-Förderung von 20 % ergibt 6.400 €. Klingt gut? Ja - aber nur, wenn Sie die Förderung auch beantragen vor dem Start der Arbeiten. Wer nachträglich einen Antrag stellt, bekommt nichts. Und: Die Förderung wird nur auf die Netto-Kosten berechnet, nicht auf die Brutto-Kosten. Mehrwertsteuer zählt nicht mit.

Ein weiterer Tipp: Viele Kommunen in Hessen bieten zusätzliche Zuschüsse an. In Kassel gibt es einen Stadtförderprogramm für energetische Sanierungen - bis zu 1.500 € zusätzlich, wenn Sie den Energieausweis mit dem höchsten Standard vorlegen. Fragen Sie bei Ihrem Bauamt nach - das wissen die wenigsten.

Wie planen Sie Ihr Budget Schritt für Schritt?

Ein gutes Budget ist wie eine Reiseplanung: Sie brauchen einen Zielort, eine Route und Notfallreserven. Hier ist Ihr konkreter Plan:

  1. Bestandsaufnahme: Lassen Sie Ihre Fassade von einem unabhängigen Energieberater prüfen (kostet etwa 200-400 €). Der sagt Ihnen, ob Asbest, Feuchtigkeit oder Strukturprobleme vorliegen.
  2. Sanierungsart wählen: Entscheiden Sie sich für eine Variante (WDVS, Vollwärmeschutz etc.) - nicht für das billigste Angebot, sondern für das, das zu Ihrem Haus passt.
  3. Kostenschätzung erstellen: Nutzen Sie die BKI-Preisdatenbank (Baukosteninformationszentrum) oder fragen Sie mindestens drei Handwerker um ein detailliertes Angebot. Achten Sie darauf, dass die Angebote die gleichen Leistungen enthalten - sonst vergleichen Sie Äpfel mit Birnen.
  4. Puffer einrechnen: Addieren Sie 12 % für unvorhergesehene Arbeiten. Das ist kein Risiko - das ist Planung.
  5. Förderung prüfen: Beantragen Sie KfW und kommunale Zuschüsse vor dem ersten Bohrer. Die Bearbeitung dauert 4-8 Wochen.
  6. Finanzierung sichern: Wenn Sie ein Darlehen brauchen, holen Sie eine Zusage von Ihrer Bank - mit festem Zinssatz für mindestens 12 Monate. Baupläne ändern sich oft.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Kasseler Einfamilienhausbesitzer hat 28.000 € für eine WDVS-Sanierung geplant. Mit 12 % Puffer: 31.360 €. Mit KfW-Förderung von 5.600 €: 25.760 € Eigenanteil. Mit Bankdarlehen zu 3,8 % über 10 Jahre: 248 € monatliche Rate. Das ist machbar. Und das ist realistisch.

Was Sie auf keinen Fall tun sollten

Es gibt drei Fehler, die fast jeder macht - und die teuer werden:

  • Nicht vorher prüfen lassen: Wer ohne Baufachmann startet, zahlt später doppelt.
  • Das billigste Angebot nehmen: Ein Angebot mit 20 % weniger als die anderen ist oft ein Falle - entweder fehlen Leistungen, oder die Qualität ist schlecht.
  • Die Förderung nachträglich beantragen: Das ist wie ein Lotto-Ticket, das Sie nach der Ziehung kaufen. Funktioniert nicht.

Und vergessen Sie nicht: Eine schlecht gemachte Fassade kann Ihr Haus wertmindernd beeinflussen. Eine gute Sanierung erhöht den Wert - aber nur, wenn sie richtig gemacht ist.

Digitales Budget mit Prozentsätzen für Sanierungskosten und Förderung, schwebend über einem Haus.

Wie lange dauert eine Fassadensanierung?

Die Dauer hängt von der Größe und dem Zustand ab. Ein Einfamilienhaus mit WDVS dauert in der Regel 3-5 Wochen. Wenn Schäden entdeckt werden, kommen 1-3 Wochen dazu. Wetter spielt auch eine Rolle - Regen verlängert die Trockenzeiten. Planen Sie mindestens 6 Wochen ein. So haben Sie Puffer für unerwartete Verzögerungen.

Was passiert, wenn Sie nicht sanieren?

Wenn Sie die Fassade ignorieren, wird sie nicht besser. Sie verlieren Energie - bis zu 30 % Ihrer Heizkosten fließen durch Risse und feuchte Wände. Sie riskieren Schimmel im Inneren. Und: Wenn Sie später verkaufen, wird Ihr Haus schwerer zu verkaufen - und zu einem niedrigeren Preis. Eine Fassadensanierung ist keine Ausgabe - sie ist eine Investition in den Wert Ihres Hauses und in Ihre Lebensqualität.

Wie viel kostet eine Fassadensanierung pro Quadratmeter?

Die Kosten liegen je nach System zwischen 40 € und 200 € pro Quadratmeter. Ein Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS) kostet durchschnittlich 85-120 €/m², eine Vollwärmeschutz-Fassade 110-160 €/m². Klinker oder Holzfassaden liegen bei 130-200 €/m². Diese Preise beinhalten Material und Arbeitskosten, aber nicht unvorhergesehene Schäden.

Gibt es Fördermittel für Fassadensanierungen?

Ja, die KfW fördert energetische Fassadensanierungen mit bis zu 20 % der Kosten, wenn die Dämmung den aktuellen EnEV-Stand erreicht (U-Wert ≤ 0,20 W/(m²K)). Zusätzlich bieten viele Städte, wie Kassel, lokale Zuschüsse von bis zu 1.500 € an. Wichtig: Der Antrag muss vor Baubeginn gestellt werden.

Warum kostet eine Fassadensanierung oft mehr als geplant?

Weil oft versteckte Schäden entdeckt werden: Feuchtigkeit hinter Putz, verrottetes Holz, Asbest oder undichte Anschlüsse. Diese Arbeiten sind nicht im ursprünglichen Budget enthalten. In 7 von 10 Fällen entstehen Zusatzkosten von 10-15 % der ursprünglichen Summe. Ein Puffer von 12 % ist daher unerlässlich.

Soll ich die Fassade selbst streichen, um Geld zu sparen?

Nein. Eine einfache Farbüberstrichung kostet zwar nur 40-60 €/m², aber sie löst keine Probleme. Sie deckt Risse, Feuchtigkeit und Schäden nur kurzfristig zu. Nach 2-3 Jahren fängt der Putz wieder an zu blättern. Sie verlieren Geld und Zeit. Eine echte Sanierung mit Dämmung ist die einzige sinnvolle Investition.

Wie wähle ich den richtigen Handwerker aus?

Fordern Sie mindestens drei detaillierte Angebote an - nicht nur Preislisten, sondern Leistungsbeschreibungen. Prüfen Sie, ob der Handwerker Mitglied im Handwerkskammer-Verzeichnis ist und über eine Haftpflichtversicherung verfügt. Fragen Sie nach Referenzen, besonders nach Projekten mit ähnlichen Häusern. Ein guter Handwerker erklärt, warum er etwas vorschlägt - nicht nur, wie viel es kostet.

Was kommt als Nächstes?

Sie haben jetzt die Zahlen. Sie wissen, was möglich ist. Der nächste Schritt: Machen Sie einen Termin mit einem unabhängigen Energieberater. Lassen Sie Ihre Fassade prüfen - nicht von einem Handwerker, der später bauen soll, sondern von jemandem, der nur berät. Das kostet 200-400 € - aber es spart Ihnen tausende. Danach entscheiden Sie: Sanieren oder nicht. Mit klarem Kopf. Mit klarem Budget. Und ohne Überraschungen.

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