Sanierungsfahrplan-Checkliste: Termine, Fristen, Förderungen - So planen Sie Ihre energetische Sanierung schrittweise

Wenn Sie als Hausbesitzer über eine energetische Sanierung nachdenken, ist der erste Schritt nicht der Bohrer oder die Dämmplatte. Es ist ein Sanierungsfahrplan. Dieser Plan, auch als individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) bekannt, ist kein bloßer Zettel mit Ideen. Es ist ein offiziell anerkanntes Dokument, das Ihnen zeigt, was wirklich sinnvoll ist - und was Sie finanziell fördern können. Und ja: Es gibt Fristen. Und ja: Es gibt Bonuszahlungen. Aber viele Hauseigentümer verpassen diese Chancen, weil sie den Fahrplan nicht rechtzeitig oder falsch anfordern.

Was ist ein Sanierungsfahrplan wirklich?

Ein Sanierungsfahrplan ist kein Beratungsgespräch mit einem Energieberater, das am Ende in einem Kaffeebecher endet. Es ist ein strukturiertes, schriftliches Dokument, das von einem zertifizierten Energieberater erstellt wird. Es basiert auf einer Vor-Ort-Begehung Ihres Hauses, bei der alles von der Kellerdecke bis zum Dach untersucht wird: Dämmung, Fenster, Heizung, Lüftung, Warmwasser - alles. Die Daten werden mit Ihrem tatsächlichen Energieverbrauch aus den letzten drei Jahren verknüpft. Das Ergebnis? Ein maßgeschneiderter Plan, der nicht sagt: „Machen Sie was.“ Sondern: „Machen Sie das hier zuerst. Und dann das. Und danach das.“

Der Fahrplan enthält drei klare Handlungspakete: Sofortmaßnahmen, mittelfristige Maßnahmen und Langfriststrategien. Das ist wichtig, weil Sie nicht alles auf einmal schaffen müssen. Sie können schrittweise vorgehen - aber nur, wenn Sie wissen, in welche Richtung.

Wie läuft die Erstellung ab? Termine und Fristen

Der Prozess ist einfach, aber zeitlich eng getaktet. Sie brauchen drei Schritte:

  1. Beratungsgespräch (2-3 Stunden): Der Energieberater kommt zu Ihnen, misst, fotografiert, fragt nach alten Rechnungen und prüft, ob Ihre Heizung noch im Jahr 2000 installiert wurde. Diese Sitzung findet vor Ort statt - kein Zoom, kein Telefon.
  2. Dokumentenerstellung (ca. 14 Tage): Nach dem Gespräch arbeitet der Berater den Fahrplan aus. Das ist die Phase, in der die Daten verarbeitet, die Kosten berechnet und die Fördermöglichkeiten geprüft werden. Hier passiert nichts mehr mit Ihnen - aber Sie sollten nicht länger als zwei Wochen warten, bis Sie das Ergebnis erhalten.
  3. Abschlussgespräch (ca. 1 Stunde): Sie bekommen das Dokument. Es kommt in zwei Bändchen: „Mein Sanierungsfahrplan“ und „Umsetzungshilfe für meine Maßnahmen“. Der erste Band zeigt grafisch, wo Ihr Haus steht und wo es hin soll. Der zweite erklärt, wie Sie die Maßnahmen tatsächlich umsetzen - mit Tipps zu Handwerkern, Bauzeiten und Verhalten im Alltag.

Wichtig: Der iSFP ist nur dann förderfähig, wenn er vor Beginn der ersten Sanierungsmaßnahme erstellt wurde. Wenn Sie schon mit dem Dämmen angefangen haben, ist es zu spät. Der Zeitpunkt ist entscheidend. Sie müssen den Fahrplan vor dem ersten Bohrloch haben.

Was enthält der Fahrplan? Die Checkliste für Ihr Haus

Der iSFP ist kein allgemeiner Ratgeber. Er ist eine persönliche Checkliste für Ihr Gebäude. Hier sind die zentralen Elemente, die er enthalten muss:

  • Ist-Zustand: Detaillierte Aufnahme aller Bauteile: Wanddämmung (in cm), Fenster-U-Wert, Heizungsart (Öl, Gas, Wärmepumpe), Lüftungsanlage, Solaranlage, Warmwasserspeicher.
  • Energieverbrauch: Ihre letzten drei Heizkostenabrechnungen werden analysiert. Das zeigt, ob Ihr Haus ein Energieschleuder ist oder schon halbwegs gut ist.
  • Empfohlene Maßnahmen: Die Berater klassifizieren die Vorschläge in drei Gruppen:
    • Sofortmaßnahmen: Dichtungen an Türen, Thermostate austauschen, Lüftungshinweise - kostet wenig, spart schnell.
    • Mittelfristige Maßnahmen: Heizung ersetzen, Fenster tauschen, Dach- oder Außenwanddämmung - das sind die großen Schritte, die 3-7 Jahre dauern können.
    • Langfristige Strategie: Ziel ist ein Effizienzhaus (z. B. EH85). Das bedeutet: fast keine Heizkosten mehr. Dafür brauchen Sie mehrere Schritte über 10-15 Jahre.
  • Kosten und Einsparungen: Jede Maßnahme hat einen geschätzten Preis, eine jährliche Energieeinsparung und die erwartete Amortisationszeit. Kein „vielleicht sparen Sie etwas“ - sondern konkrete Zahlen.
  • Förderhinweise: Hier steht genau, welche Fördermittel für welche Maßnahme verfügbar sind: BAFA, KfW, lokale Zuschüsse. Der Fahrplan zeigt sogar, ob Sie den iSFP-Bonus bekommen.
Dreistufiger Sanierungsfahrplan als Weg mit Maßnahmen und Fördergeldern, von Dichtungen bis zur Wärmepumpe.

Förderungen: Der iSFP-Bonus und was noch zählt

Der größte Vorteil des Sanierungsfahrplans ist der iSFP-Bonus. Das ist eine direkte Geldzusage von der BAFA. Sie bekommen 500 Euro extra, wenn Sie den Fahrplan erstellen lassen - und das, bevor Sie auch nur eine Schraube anrühren. Das ist kein Zuschuss, kein Darlehen - das ist reines Geld, das Sie auf Ihr Konto bekommen.

Darüber hinaus ist der iSFP Ihr Türöffner für weitere Programme:

  • BEG (Bundesförderung für effiziente Gebäude): Für Dämmung, Fenster, Heizung - bis zu 30 % der Kosten werden erstattet.
  • KfW-Programme: Besonders bei umfassenden Sanierungen zum Effizienzhaus. Hier gibt es Zuschüsse und zinsgünstige Kredite.
  • Lokale Förderungen: Manche Städte und Gemeinden zahlen zusätzlich - zum Beispiel für den Austausch von Ölheizungen. Der iSFP nennt genau, was in Ihrer Region möglich ist.

Wichtig: Sie müssen die Förderanträge vor der Umsetzung stellen. Der Fahrplan liefert die notwendigen Unterlagen, um diese Anträge korrekt auszufüllen. Ohne ihn riskieren Sie Ablehnung - oder schlechtere Förderhöhe.

Was Sie vor der Beratung brauchen

Bevor der Energieberater kommt, sammeln Sie diese Unterlagen:

  • Heizkostenabrechnungen der letzten drei Jahre
  • Baupläne (wenn vorhanden) - besonders Dach- und Kellerdeckenkonstruktion
  • Montage- und Garantiepapiere der Heizung und der Fenster
  • Strom- und Gasverträge (zum Vergleich des Verbrauchs)
  • Fotos von Dach, Außenwänden, Kellerdecke (falls Sie keine Baupläne haben)

Je besser Sie vorbereitet sind, desto schneller und präziser wird der Fahrplan. Ein Berater, der nur mit groben Angaben arbeiten muss, erstellt einen weniger wertvollen Plan. Sie zahlen für die Beratung - also geben Sie ihm alles, was er braucht.

Was der Fahrplan NICHT ist

Ein Sanierungsfahrplan ist kein Bauplan. Er ist kein Genehmigungsantrag. Er ist kein Werkvertrag mit einem Handwerker.

Er sagt Ihnen nicht, welcher Dämmstoff Sie nehmen sollen. Er sagt nicht, welcher Heizungsbauer am besten ist. Er sagt nicht, wann genau die Fenster eingebaut werden müssen. Er sagt nur: „Wenn Sie die Heizung ersetzen, dann tun Sie das nach der Dämmung der Außenwände - sonst verschwenden Sie Geld.“

Er ist der Kompass. Nicht der Navigator. Nicht der Fahrer. Sie fahren noch selbst. Aber jetzt wissen Sie, wohin.

Hausbesitzer hält offiziellen Sanierungsfahrplan mit Förderhinweisen und 500€-Bonuscheck auf dem Tisch.

Was passiert nach dem Fahrplan?

Sie haben den Plan. Jetzt geht es los. Der Fahrplan gibt Ihnen einen 15-Jahres-Horizont. Das heißt: Sie müssen nicht alles in einem Jahr schaffen. Sie können:

  • Im ersten Jahr: Dichtungen, Thermostate, Lüftungstipps umsetzen - und den iSFP-Bonus einstreichen.
  • Im dritten Jahr: Fenster tauschen - mit BEG-Förderung.
  • Im sechsten Jahr: Außenwanddämmung - mit KfW-Kredit.
  • Im zehnten Jahr: Heizung auf Wärmepumpe umstellen - mit lokalem Zuschuss.

Das ist der Vorteil: Sie vermeiden Doppelarbeiten. Wenn Sie zuerst die Fenster tauschen und dann die Außenwand dämmen, müssen Sie die Fenster wieder rausnehmen. Der Fahrplan verhindert das. Er zeigt den optimalen Ablauf.

Warum viele es versäumen

Die meisten Hausbesitzer warten, bis die Heizung kaputt geht. Dann rufen sie den Handwerker. Der sagt: „Ich mache Ihnen eine neue Ölheizung.“ Und dann merken sie: „Oh, ich hätte Förderung bekommen können.“

Oder sie googeln „Förderung für Dämmung“, finden einen Zuschuss von 15 %, machen es - und dann stellen sie fest: „Ach, ich hätte den iSFP-Bonus bekommen, wenn ich vorher den Fahrplan hätte.“

Der Sanierungsfahrplan ist der einzige Weg, um alle Fördermöglichkeiten zu nutzen - und gleichzeitig eine sinnvolle, langfristige Strategie zu haben. Wer ihn ignoriert, zahlt doppelt: einmal für die schlechte Sanierung, einmal für verpasste Fördergelder.

Kann ich den Sanierungsfahrplan selbst erstellen?

Nein. Der iSFP muss von einem zertifizierten Energieberater erstellt werden, der von der BAFA anerkannt ist. Selbst erstellte Pläne gelten nicht als förderfähig. Sie können zwar Daten sammeln, aber nur ein professioneller Berater erstellt das offizielle Dokument mit den richtigen Berechnungen und Förderhinweisen.

Wie viel kostet der Sanierungsfahrplan?

Die Kosten liegen zwischen 300 und 600 Euro - je nach Hausgröße und Aufwand. Aber: Sie bekommen den iSFP-Bonus von 500 Euro zurück. Das bedeutet, dass der Plan für Sie fast kostenlos ist. In vielen Fällen bleibt sogar ein kleiner Gewinn übrig.

Gibt es eine Frist, bis wann ich den Fahrplan erstellen lassen muss?

Ja. Der Fahrplan muss vor Beginn der ersten Sanierungsmaßnahme erstellt sein. Wenn Sie schon mit dem Dämmen angefangen haben, ist es zu spät. Es gibt keine Nachträglichkeit. Planen Sie früh - idealerweise mindestens 3 Monate vor geplanten Arbeiten.

Kann ich den Fahrplan für mehrere Häuser nutzen?

Nein. Jeder Sanierungsfahrplan ist individuell und gilt nur für ein einziges Gebäude. Wenn Sie zwei Häuser besitzen, müssen Sie für jedes Haus einen eigenen Fahrplan erstellen. Die Fördermittel werden pro Gebäude ausgezahlt.

Wird der Fahrplan auch für Mietwohnungen empfohlen?

Ja - aber der Vermieter muss ihn in Auftrag geben. Mieter können den Fahrplan nicht selbst beantragen. Allerdings können sie ihren Vermieter darauf hinweisen, dass er Fördergelder erhält, wenn er den Plan erstellt. Viele Vermieter nutzen das, weil sie die Kosten später über die Miete umlegen dürfen.

Was kommt danach?

Der Sanierungsfahrplan ist nicht das Ende. Er ist der Anfang. Nachdem Sie die ersten Maßnahmen umgesetzt haben, können Sie ihn aktualisieren. Ein neuer Berater kann einen neuen Fahrplan erstellen - aber nur, wenn Sie eine neue, umfassende Sanierung planen. Die meisten Hausbesitzer nutzen den ersten Fahrplan über 10 Jahre als Leitfaden. Er bleibt Ihr persönlicher Energie-Ratgeber. Und er bleibt Ihr Schlüssel zu Fördergeldern - solange Sie ihn rechtzeitig nutzen.

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