Beim Kauf einer Immobilie im Ausland geht es nicht nur um Preis und Lage. Wer in Spanien, Italien oder Portugal eine Wohnung oder ein Haus kaufen will, muss lernen, wie Menschen dort verhandeln. Die deutsche Art, klar und sachlich zu argumentieren, funktioniert hier oft nicht. In vielen Ländern entscheidet nicht der beste Preis, sondern die Beziehung. Wer das nicht versteht, zahlt mehr - oder verliert das Objekt ganz.
Warum du nicht einfach so verhandelst wie zu Hause
In Deutschland ist ein Festpreis oft endgültig. Ein Angebot wird schriftlich gemacht, und wenn es abgelehnt wird, ist Schluss. In Spanien ist das anders. Der Verkaufspreis ist oft nur ein Startpunkt. Ein Haus, das mit 350.000 Euro ausgeschrieben ist, kann am Ende für 320.000 Euro verkauft werden - wenn du die Regeln kennst. Experten aus Marbella berichten, dass ausländische Käufer durchschnittlich 7,3 % unter dem Ausgangspreis landen. In ländlichen Gegenden ist der Spielraum sogar bei 12,7 %. In urbanen Zentren wie Barcelona oder Madrid sinkt er auf 3-5 %, weil die Nachfrage hoch ist.Warum dieser Unterschied? Weil Verhandlungen in Südeuropa kein Geschäft, sondern ein Prozess sind. Es geht nicht nur um das Haus. Es geht um Vertrauen. Wer ohne Smalltalk direkt zum Preis kommt, wirkt kalt. Und das macht Verkäufer misstrauisch. In Spanien fängt die Verhandlung oft mit einem Kaffee an. Fragen wie „Woher kommen Sie?“, „Haben Sie schon mal in Andalusien Urlaub gemacht?“ oder „Was halten Sie von Fußball?“ sind keine Floskeln. Sie sind der Schlüssel.
Die erste Gebotsstrategie: Nicht zu niedrig, nicht zu hoch
Viele deutsche Käufer machen denselben Fehler: Sie bieten zu wenig. Sie denken, ein Angebot um 15 % unter dem Preis zeigt, dass sie ernsthaft sind. Tatsächlich wirkt das oft wie eine Beleidigung. Der Verkäufer denkt: „Der weiß gar nicht, was das Objekt wert ist.“Die richtige Startposition liegt zwischen 5 % und 10 % unter dem angegebenen Preis. Wer ein Haus mit Mängeln sieht - eine alte Heizung, undichte Fenster, eine nicht genehmigte Terrasse -, sollte das als Begründung nutzen. Aber nicht als Beschwerde. Als Fakten. „Ich habe drei vergleichbare Objekte in der Nähe analysiert. Die mit ähnlicher Renovierung wurden für 310.000 Euro verkauft. Dieses hier hat noch drei Fenster, die ausgetauscht werden müssen.“ So wird deine Position glaubwürdig.
Wichtig: Setze eine Frist. „Ich kann mein Angebot nur bis Freitag halten.“ Das bringt Druck in die Verhandlung. Ohne Frist verlängern Verkäufer die Diskussion, bis du müde wirst - und nachgibst. In Spanien ist das ein klassischer Trick. Wer keine Frist setzt, verliert Kontrolle.
Der Unterschied zwischen Spanien und Deutschland: Verträge und Mündlichkeit
In Deutschland ist alles schriftlich. In Spanien ist vieles mündlich - und das ist gefährlich. Ein Verkäufer sagt: „Ich halte das Haus für Sie frei, bis nächste Woche.“ Du nimmst das als Absichtserklärung. Aber in Spanien kann so etwas rechtlich bindend sein. Ein Gerichtsurteil aus 2021 (Smith vs. García) hat genau das bestätigt: Ein informelles Versprechen vor Zeugen wurde als Vertrag gewertet.Deshalb: Alles, was du vereinbarst, muss schriftlich stehen. Und zwar vor dem ersten Geldtransfer. Der erste Schritt ist der Contrato de Arras. Das ist kein bloßer Reservierungsvertrag. Es ist ein rechtlich bindendes Dokument, das meist 3-10 % des Kaufpreises als Anzahlung vorsieht. Es regelt, wer was zahlt, wann die Zahlung erfolgt und was passiert, wenn einer abspringt.
Ein großer Fehler vieler Deutscher: Sie denken, der Arras ist wie eine Anzahlung in Deutschland. Aber in Spanien hat er eine andere Bedeutung. Wenn du als Käufer zurücktrittst, verlierst du die Anzahlung. Wenn der Verkäufer abspringt, muss er das Doppelte zurückerstatten. Das ist kein Bonus - das ist eine Strafe. Wer das nicht versteht, gerät schnell in rechtliche Schwierigkeiten.
Warum du einen lokalen Makler brauchst - und wie du ihn erkennst
Ein guter Makler in Spanien ist kein Verkäufer. Er ist dein Übersetzer - sprachlich, kulturell und rechtlich. Daten von Drumelia zeigen: 87 % aller erfolgreichen Transaktionen in Marbella werden von Maklern begleitet. Die direkte Verhandlung mit dem Eigentümer führt zu schlechteren Preisen - durchschnittlich 8,2 % schlechter.Warum? Weil Makler wissen, wie man verhandelt. Sie kennen die Motivation des Verkäufers. Ist er geschieden? Will er schnell nach Deutschland ziehen? Hat er Schulden? Das alles beeinflusst den Preis. Ein Makler hört, was nicht gesagt wird. Und er weiß, wann du nachgeben kannst - und wann du hart bleiben musst.
Ein schlechter Makler dagegen arbeitet nur für den Verkäufer. Der unterschreibt den Vertrag, kassiert die Provision und verschwindet. Wie erkennst du den guten? Frag nach: „Können Sie mir drei vergleichbare Objekte zeigen, die Sie in den letzten drei Monaten verkauft haben?“ Wenn er keine Zahlen nennen kann, ist er kein Experte. Ein seriöser Makler hat Zahlen. Und er zeigt sie dir.
Was du vor der Besichtigung wissen musst
Bevor du ein Haus besichtigst, solltest du mindestens 14 Tage recherchieren. Sammle Daten zu mindestens 15-20 vergleichbaren Objekten im Umkreis von 500 Metern. Was wurde verkauft? Wann? Für wie viel? Welche Renovierungen wurden gemacht? Welche Mängel wurden offengelegt?Das ist nicht optional. Es ist deine Waffe. Ohne diese Daten bist du blind. Du kannst nicht verhandeln, wenn du nicht weißt, was fair ist. Ein Gutachter vor der Besichtigung lohnt sich. Realista hat berechnet: Wer einen unabhängigen Gutachter beauftragt, kann den Endpreis um durchschnittlich 4,2 % niedriger verhandeln. Warum? Weil du Mängel benennen kannst, die der Verkäufer versteckt hat.
Und genau das ist der größte Trick: Die Verkäufer wissen, dass ausländische Käufer oft nicht wissen, was legal ist. Ein Pool ohne Genehmigung? Ein Anbau ohne Baugenehmigung? Ein Dach ohne Isolierung, das als „renoviert“ gilt? In 63 % der Fälle wurden ausländische Käufer laut Funcas über den Zustand getäuscht. Die neue „Ley de Transparencia“ seit Januar 2023 verpflichtet Verkäufer, Mängel schriftlich offenzulegen. Das hat den Spielraum um 2,4 % reduziert - aber nicht eliminiert. Du musst trotzdem prüfen.
Die größte Falle: „Renovierungsbedürftig“
Ein Begriff, der deutsche Käufer in die Falle lockt: „renovierungsbedürftig“. In Deutschland bedeutet das: Dach, Fenster, Heizung, Sanitär - alles muss erneuert werden. In Spanien bedeutet es oft: Die Küche ist von 1995, und die Tapeten sind abgeblättert. Der Unterschied ist gigantisch.76 % der Konflikte nach dem Kauf entstehen aus dieser Unklarheit. Ein Verkäufer sagt: „Es braucht nur eine kleine Renovierung.“ Du denkst: „Ich muss 50.000 Euro investieren.“ Am Ende zahlst du 350.000 Euro für ein Haus, das 100.000 Euro Sanierung braucht - und du hast es nicht vorher gewusst.
Lösung: Fordere eine detaillierte Liste an. „Was genau muss erneuert werden? Fenster? Heizung? Elektrik? Sanitär? Dach?“ Schreibe alles auf. Und lass es vom Notar oder Anwalt prüfen. Kein „es ist nur ein bisschen renovierungsbedürftig“ akzeptieren. Das ist ein Wortspiel.
Wie du deine Verhandlungsstärke behältst
María López von Indivisa sagt: „Es muss immer eine Alternative geben.“ Das ist der wichtigste Satz in der ganzen Verhandlung. Wer verzweifelt wirkt, gibt nach. Wer ruhig bleibt, gewinnt.Wenn du nur ein Haus im Blick hast, bist du schwach. Wenn du zwei oder drei Optionen hast, bist du stark. Verkäufer spüren das. Sie wissen: Wenn du nicht kaufst, gibt es noch andere. Und das macht sie flexibler.
Ein Erfolgsbeispiel: Ein deutscher Käufer aus München kaufte ein Haus in Almuñécar. Der Verkäufer zog nach Deutschland. Der Käufer fragte: „Warum ziehen Sie so schnell?“ Der Verkäufer erzählte von Problemen mit der Arbeit. Der Käufer antwortete: „Ich verstehe. Ich ziehe auch bald nach Deutschland. Vielleicht können wir den Termin für die Schlüsselübergabe auf Mitte Juli legen?“ Der Verkäufer war erleichtert. Der Preis sank um 11,3 %. Der Schlüssel war nicht der Preis - sondern die Motivation.
Was du auf keinen Fall tun solltest
- Verhandle nicht ohne Übersetzer. 82 % der Käufer, die ohne Dolmetscher verhandelten, hatten später Probleme mit den Vertragsbedingungen.
- Unterzeichne keine mündlichen Vereinbarungen. Selbst ein „Ich halte es für Sie frei“ kann juristisch bindend sein.
- Vertraue nicht auf den Makler, der nur vom Verkäufer bezahlt wird. Frag nach, wer ihn bezahlt - und ob er auch für dich arbeitet.
- Ignoriere nicht die neue Transparenzgesetzgebung. Sie ist nicht perfekt, aber sie schützt dich.
- Denk nicht, dass „ein bisschen Renovierung“ billig ist. Die Kosten für eine echte Sanierung liegen oft bei 30-50 % des Kaufpreises.
Die Zukunft: Weniger Spielraum, mehr Transparenz
Der Markt verändert sich. Die spanische Regierung will bis 2024 digitale Standardverträge einführen. Die „Ley de Transparencia“ hat den Verhandlungsspielraum bereits reduziert. Experten von Funcas erwarten, dass der durchschnittliche Preisnachlass bis 2025 von 7,3 % auf 5,8 % sinkt.Das bedeutet: Wer jetzt noch hofft, ein Haus für 30 % unter dem Preis zu kaufen, irrt. Die Zeiten des großen Schnäppchens sind vorbei. Aber die Zeiten der klugen Verhandlung sind erst richtig angefangen. Wer jetzt lernt, wie man mit Kultur und Fakten verhandelt, wird immer noch besser abschneiden als der, der nur auf den Preis schaut.
Die beste Strategie? Sei vorbereitet. Sei respektvoll. Sei geduldig. Und vergiss nie: Es geht nicht darum, den Verkäufer zu besiegen. Es geht darum, einen fairen Deal zu finden - für beide Seiten.
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