Eigenleistung bei Dämmung: So vermeiden Sie Schimmelrisiken

Wenn Sie Ihre Wohnung oder Ihr Haus dämmen, sparen Sie nicht nur Energie - Sie können auch Geld verdienen. Doch viele Hausbesitzer überschätzen ihre Fähigkeiten. Die Eigenleistung bei Dämmung klingt attraktiv: Material kostet 15 bis 25 Euro pro Quadratmeter, während ein Fachbetrieb 40 bis 60 Euro verlangt. Doch hinter dieser Kosteneinsparung lauert eine gefährliche Falle: Schimmel. In 68,4 Prozent aller Schadensfälle bei energetischen Sanierungen, die auf Eigenleistung zurückgehen, ist Schimmel die Hauptursache. Das hat die Deutsche Energie-Agentur (dena) in ihrer Langzeitstudie 2022 dokumentiert. Es geht nicht darum, dass Dämmung schlecht ist. Es geht darum, wie sie gemacht wird.

Warum Dämmung Schimmel verursachen kann - und warum nicht

Viele denken: Eine dichtere Wand hält die Wärme rein und die Feuchtigkeit raus. Falsch. Eine Dämmung verändert die Temperaturverteilung in Ihrer Wand. In alten Häusern lag der Taupunkt - also die Stelle, wo Luftfeuchtigkeit zu Wasser wird - meist innerhalb der Wand. Heute, mit moderner Dämmung, wird er nach außen verschoben. Wenn die Dämmung nicht richtig sitzt, wandert der Taupunkt wieder nach innen. Und dort bildet sich Kondenswasser. Genau dort, wo es nicht hingehört: hinter Tapeten, an Fensterlaibungen, in Ecken.

Die Fachleute sprechen von Wärmebrücken. Das sind Stellen, an denen Wärme entweicht - oft weil eine Dämmplatte nicht lückenlos verklebt ist. Bereits 5 Millimeter Luftspalt zwischen Dämmplatte und Wand können den Wärmedurchgangskoeffizienten um bis zu 35 Prozent verschlechtern. Das bedeutet: Die Wand bleibt kälter. Und kalte Wände kondensieren Feuchtigkeit. Bei einer Raumluftfeuchte über 60 Prozent ist Schimmel vorprogrammiert.

Die größten Fehler bei Eigenleistungen

Studien zeigen: 78 Prozent der Fehler bei Dämmarbeiten entstehen durch unsachgemäße Dampfbremsen. Das ist die Folie, die Feuchtigkeit von innen nach außen leiten soll - aber nur, wenn sie lückenlos verklebt ist. Wer hier nur ein paar Zentimeter vergisst, hat eine Feuchtefalle geschaffen. Besonders kritisch ist die Innendämmung. Hier brauchen Sie eine Dampfbremse mit einem sd-Wert von mindestens 25 Metern. Ein sd-Wert von 25 bedeutet: Die Folie ist so dicht, dass Feuchtigkeit nur langsam durchdringen kann. Wenn Sie die falsche Folie nehmen, oder sie nicht richtig verkleben, dann sammelt sich Feuchtigkeit zwischen Dämmung und Wand. Und nach 6 bis 8 Monaten sehen Sie den ersten Schimmel an den Fenstern.

Ein typischer Fall aus Online-Foren: Ein Nutzer hat Holzfaserdämmung selbst angebracht - und innerhalb von acht Monaten Schimmel an den Fensterlaibungen. Die Ursache? Eine nicht lückenlose Dampfbremse. Keine technische Fehlkonstruktion. Kein schlechtes Material. Nur ein falsch verklebtes Band.

Weitere häufige Fehler:

  • Falsche Materialwahl: Steinwolle statt Holzfaser, oder umgekehrt - je nach Wandart.
  • Keine Anschlussdetails: Wo Wand auf Decke, Wand auf Fenster, Dämmung auf Boden trifft, entstehen Lücken.
  • Kein Lüften nach der Dämmung: Nach einer Sanierung braucht die Wohnung mehr Luftaustausch - nicht weniger. Das Umweltbundesamt empfiehlt mindestens 5 Minuten Stoßlüftung dreimal täglich, besonders bei Außentemperaturen unter 5°C.

Wo Eigenleistung funktioniert - und wo sie gefährlich ist

Nicht alle Dämmarbeiten sind gleich gefährlich. Bei einfachen Arbeiten ist Eigenleistung oft sicher - und sogar sinnvoll.

Positiv: Dachbodendämmung mit Zellulose

Hier können Sie mit einer Anleitung der Verbraucherzentrale (Broschüre „Dämmen leicht gemacht“, 3. Auflage 2023) erfolgreich arbeiten. Die Materialkosten liegen bei nur 8 Euro pro Quadratmeter. Die Fehlerquote liegt bei unter 5 Prozent. Warum? Weil es keine Dampfbremse braucht. Die Luft kann frei zirkulieren. Und die Dämmung liegt offen auf dem Boden - keine Verklebung, keine Anschlüsse.

Positiv: Zwischensparrendämmung im Dach

Auch hier ist Eigenleistung machbar. Laut dem Bundesverband Wärmedämm-Systeme (BVWS) treten bei dieser Art der Dämmung nur 12,3 Prozent der Fehler auf. Die Konstruktion ist einfach: Dämmplatten zwischen die Sparren, keine Dampfbremse nötig, wenn die Dachhaut luftdicht ist.

Vermeiden: Innendämmung

Das ist das größte Risiko. Die Fachagentur FAUB warnt: Bereits 1,5 Millimeter Versatz bei der Dampfbremse führen zu Kondensatbildung. Die Technische Universität Dresden hat in ihrer Studie 2021 gezeigt: 78 Prozent der Fehler bei Innendämmung stammen von Eigenleistungen. Die Dampfbremse muss lückenlos sein. Die Anschlüsse müssen perfekt sein. Die Wand muss trocken sein. Und die Luftfeuchtigkeit im Raum muss über Monate konstant geregelt werden. Das ist nicht etwas, das man mit einem YouTube-Video lernt.

Vermeiden: Fassadendämmung (WDVS)

Hier gelten strenge Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes (GEG). Die U-Werte müssen zwischen 0,15 und 0,24 W/m²K liegen. Ein Fehler bei der Verklebung, ein Luftspalt, eine falsche Dämmstärke - und die gesamte Investition ist wertlos. Und das ist nur der Anfang. Die Dämmung muss mit einem Putzsystem verklebt werden, das speziell auf das Material abgestimmt ist. Kein Baumarkt-Produkt ist hier sicher. Die Fehlerquote bei Eigenleistungen liegt bei 67,8 Prozent.

Querschnitt einer Wand mit unsichtbarem Luftspalt, der Kondenswasser und Schimmel verursacht.

Was Sie nicht sehen können - aber fühlen

Professionelle Handwerker arbeiten mit Geräten, die Sie als Privatperson nicht haben. Wärmebildkameras zeigen Wärmebrücken, die mit dem bloßen Auge unsichtbar sind. Feuchtemessgeräte erkennen Feuchtigkeit in der Wand, bevor sie sichtbar wird. Ein Fachmann kann in 15 Minuten feststellen, ob Ihre Wand trocken ist - oder ob sie schon seit Jahren feucht ist.

Bei Eigenleistungen fehlt diese Kontrolle. Sie sehen den Schimmel erst, wenn er da ist. Und dann ist es oft zu spät. Die Schäden kosten durchschnittlich 8.450 Euro pro Fall - weit mehr als die anfängliche Einsparung durch Eigenleistung.

Fördergelder verlieren Sie auch

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) vom BAFA zahlt Zuschüsse - aber nur, wenn mindestens 50 Prozent der Arbeiten von zertifizierten Fachbetrieben ausgeführt werden. Seit Januar 2023 verlangen sie einen Nachweis. Wenn Sie alles selbst machen, verlieren Sie die Förderung. Das ist kein kleiner Verlust. Eine Fassadendämmung wird mit bis zu 20.000 Euro gefördert. Wer hier spart, zahlt später doppelt.

Ein Techniker misst mit einer Wärmebildkamera Feuchtigkeit an einer Innenwand.

Was tun, wenn Sie trotzdem selbst machen wollen?

Wenn Sie sich nicht abschrecken lassen - dann tun Sie es richtig.

  • Planen Sie mit einem Energieberater. Ein Berater mit IHK-Zertifikat kostet 150 Euro für eine Grundberatung. Er prüft Ihre Wand, sagt Ihnen, ob Innendämmung möglich ist, und welche Materialien Sie brauchen.
  • Nutzen Sie die DämmCheck-Software des Umweltbundesamtes. Kostenlos online. Sie zeichnen Ihre Wand, geben die Materialien ein - und die Software zeigt Ihnen, wo es zu Feuchtigkeit kommen könnte.
  • Verwenden Sie nur Produkte mit Zertifizierung. Keine Baumarkt-„Dämmplatten“. Suchen Sie nach Produkten, die nach DIN EN 16069 zertifiziert sind.
  • Lüften Sie konsequent. Nach der Dämmung ist Lüften nicht mehr optional. Drei Mal täglich 5 Minuten Stoßlüftung. Auch im Winter. Das ist die einfachste, billigste und effektivste Methode, Schimmel zu verhindern.

Die Wahrheit über die „atmende Wand“

Viele sagen: „Alte Häuser atmen - moderne Dämmung stoppt das.“ Das ist ein Mythos. Der Luftaustausch durch massive Wände beträgt maximal 0,05 Kubikmeter pro Stunde pro Quadratmeter. Mit Stoßlüftung erreichen Sie 30 bis 50 Kubikmeter pro Stunde. Das ist 600 bis 1000 Mal mehr. Eine „atmende Wand“ ist physikalisch unmöglich. Schimmel entsteht nicht, weil die Wand nicht atmet. Er entsteht, weil Feuchtigkeit nicht richtig abgeführt wird.

Fazit: Eigenleistung ja - aber nur an den richtigen Stellen

Dämmung ist kein DIY-Projekt für Anfänger. Sie ist ein technisches System, das auf Feuchtigkeit, Temperatur und Luftdichtigkeit ausgelegt ist. Wer das nicht versteht, baut sich eine Schimmelfalle.

Die einzigen Bereiche, in denen Eigenleistung sinnvoll und sicher ist: Dachboden und Kellerdecke. Alles andere - Innendämmung, Fassade, Fensteranschlüsse - gehört in die Hände von Fachleuten. Die Kosteneinsparung von 1.000 Euro heute kann zu 8.000 Euro Schadenskosten in zwei Jahren werden. Und das Risiko für Ihre Gesundheit? Nicht aufzuwiegen.

Wenn Sie dämmen wollen - dann planen Sie. Mit einem Experten. Mit der richtigen Software. Mit den richtigen Materialien. Und mit einem klaren Plan, wann Sie selbst handeln - und wann Sie den Profi rufen.

Kann ich Innendämmung selbst machen, wenn ich genau vorgehe?

Nein. Selbst bei perfekter Vorbereitung ist die Fehlerquote bei Innendämmung bei Eigenleistungen bei 67,8 Prozent. Die Dampfbremse muss lückenlos verklebt sein, die Anschlüsse perfekt abgedichtet, und die Wand muss trocken sein - und das alles bei einer Toleranz von weniger als 1,5 Millimetern. Das erfordert jahrelange Erfahrung und spezielle Messgeräte, die Privatpersonen nicht haben. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz warnt ausdrücklich: „Innendämmmaßnahmen sollten ausschließlich von Fachplanern durchgeführt werden.“

Welche Dämmung ist am sichersten für Eigenleistung?

Dachbodendämmung mit Zellulose oder Mineralwolle ist die sicherste Eigenleistung. Hier brauchen Sie keine Dampfbremse, keine Verklebung, keine Anschlüsse. Die Dämmung liegt einfach auf dem Boden. Die Fehlerquote liegt unter 5 Prozent. Auch Zwischensparrendämmung im Dach ist mit guter Anleitung machbar - aber nur, wenn die Dachhaut luftdicht ist und keine Feuchtigkeit von oben eindringt.

Warum verliere ich Fördergelder, wenn ich selbst dämmen?

Das BAFA verlangt seit Januar 2023, dass mindestens 50 Prozent der Arbeiten von zertifizierten Fachbetrieben ausgeführt werden. Wenn Sie alles selbst machen, ist kein Nachweis möglich. Sie erhalten keinen Zuschuss - egal wie gut die Arbeit aussieht. Die Förderung ist kein Geschenk - sie ist eine Investition in Qualität. Und Qualität bedeutet: Fachleute.

Wie erkenne ich, ob meine Wand schon feucht ist?

Ein einfacher Test: Halten Sie eine Alufolie für 24 Stunden auf die Wand. Wenn sich Kondenswasser auf der Innenseite der Folie bildet, ist die Wand feucht. Wenn sie trocken bleibt, ist die Wand wahrscheinlich trocken. Aber das ist nur ein grober Test. Ein professionelles Feuchtemessgerät misst den Feuchtigkeitsgehalt in Prozent - und kann sogar unterscheiden, ob die Feuchtigkeit von außen oder innen kommt. Ohne solche Geräte ist eine sichere Einschätzung fast unmöglich.

Was ist der größte Fehler bei Dämmung?

Der größte Fehler ist, die Dampfbremse zu vergessen - oder sie nicht lückenlos zu verkleben. 43,7 Prozent aller Schadensfälle bei Eigenleistungen gehen auf fehlerhafte Dampfbremsen zurück. Die Folie muss an allen Kanten, Ecken und Übergängen mit speziellem Klebeband abgedichtet werden. Ein einziger Riss, ein verpasster Übergang - und Feuchtigkeit sammelt sich hinter der Dämmung. Und dann kommt Schimmel.

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